Von Bandon, OR nach Arcata, CA

Unser letzter Morgen in Oregon beginnt mit einem frischen, warmen Kaffee und einem Cream-Chease-Bagel. Einfach aber lecker. Das kleine Café im Ort ist gut besucht - Anwohner, Urlauber, Durchreisende, Trucker - alle treffen sich hier in typisch amerikanischer Gemütlichkeit und Gastfreundschaft. An der Wand hängen Bilder, stumme Zeugen aus der Zeit um 1900, als Fisch- und Holzindustrie noch dominierten. Heute ist es, wie an allen anderen Ortschaften entlang des 101, der Tourismus.

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Das Wetter hat sich heute erneut gedreht. Es ist kühl, bewölkt und neblig. Unserer Reise- und Entdeckungslust schadet dies nicht. Kurz hinter Bandon sehen wir linker und rechter Hand Cranberry Farmen - die größten der USA. 15 Millionen Tonnen dieser Früchte werden hier jährlich geerntet und in der Mehrheit als Zutaten verarbeitet.

Der Küstenstreifen in Oregon wechselt heute weniger oft - es bleibt überwiegend Steilküste, meist schroffe Gesteine, das Landesinnere aber weiterhin Wald, Wald, Wald. Da unsere Fahrtstrecke heute etwas weiter ist und somit mehr Zeit in Anspruch nimmt, fallen Stops mit Strandspaziergängen heute eher kurz aus. Auch in den Orten an der Strecke halten wir weniger oft. Allerdings kommen wir an einem kleinen Landen mit überwiegend regional hergestellter Handwerkskunst aus Myrthelholz nicht vorbei. Wir erstehen eine Devotionalie für unsere heimische, offene Küche im Coffee Shop Style.

Während sich der Highway 101 auf einem längeren Abschnitt deutlich von der Küste entfernt, überqueren wir nahezu unbemerkt die Grenze nach Kalifornien. Fast ebenso schlagartig verändern sich die Bäume und wir haben plötzlich das Gefühl, wir, als auch die vor uns fahrenden Fahrzeuge sind geschrumpft und die uns umgebende Welt hat sich vergrößert. Kalifornische Küstenredwoods dominieren die Wälder und werden immer häufiger. Wir durchqueren erste Abschnitte des Reedwood National Park und gelangen an unser heutiges Etappenziel: Arcata, CA.

Für die kommenden 3 Nächte schlagen wir unser Quartier in einem süßen kleinen Häuschen, inmitten vom Wald auf. Die nächsten Tage stehen Reedwood-Wanderungen und Strandspaziergänge auf dem Programm.

Von Newport nach Bandon

Der Morgen startet im Hafen von Newport. Es riecht nach Meer, Salz und Fisch. Die Kutter sind am Morgen zurückgekehrt und im Hafen wird der Fang verarbeitet. Lachse, Tunfische und Krabben. Wir sitzen in einem Cafè, frühstücken und beobachten das Treiben. Heute muss auf jeden Fall noch frischer Fisch auf den Tisch!

Nach einem kleinen Spaziergang durch Newport geht es auf den 101. Die Straße hält heute für uns so unterschiedliche Eindrücke und Bilder bereit, wie ich sie mir nicht vorgestellt habe. Flache Küstenabschnitte mit breiten Sandstränden, wechseln auf steile und zerklüftete. Die Luft ist erstaunlich mild. Wir steigen oft ein und aus - genießen die Strandspaziergänge. Zwischendurch immer wieder endlos tiefe Wälder, soweit das Auge blicken kann.

Kleinere und größere Fischerdörfer begleiten uns auf dem Weg. Manche sind niedlich schön, laden zu einem Schaufensterbummel ein, andere lassen wir an der Straße zurück. Die Gegend war über viele Jahrzehnte hinweg von Fischfang und Holzindustrie bestimmt. Nicht jeder Ort hat den Umschwung in den Tourismus als Einnahmequelle geschafft. Solche, die den Weg frühzeitig in Richtung Tourismus eingschlagen haben, werden mit Urlaubern und Pensionären und deren Geld belohnt - das sieht man beispielsweise im kleinen Örtchen Florence.

Dicht hinter Florence beginnt die größte Dünenlandschaft der USA, der Oregon Dunes National Park. Schier endlos weit und hoch scheinen Dünen. Wir wandern durch einen Abschnitt dichter Vegetation. Herrliche Kiefernwälder und typische Dünensträucher. Im Hintergrund das Rauschen des Pazifiks. Herrlich frische, milde Luft. 

Entlang der Straße treffen wir auf ganz unterschiedliche Mitstreiter. Ein Pärchen junger Frauen, unterwegs von Kanada in einem alten VW Bus. Eine Familie aus Frankreich - auf einer 4 Jahre dauernden Weltreise. Urlauber wie wir und Städter auf Kurzurlaub. Was uns auffällt, die Menschen die wir auf der Straße, am Strand  oder in den kleinen Orten treffen sind ausgesprochen freundlich - wie hatten wir das in Seattle und Portland vermisst - das ist die USA, wie wir sie in den letzten 10 Jahren, auf unterschiedlichen Reisen kennengelernt haben.

Am frühen Abend treffen wir in Bandon ein. Das Thermometer ist von 75°F auf 57°F gesunken. Wir checken in unser süßes kleines Motel ein, machen uns frisch und schlüpfen in wärmere Kleidung. Danach kommt, was ich mir am Morgen vorgenommen hatte - frischer Fisch! Diese Nacht wird unsere letzte Nacht in Oregon sein - morgen wechseln wir nach Nordkalifornien.